Radtour von Rom nach Gera
Rom – Civitavecchia, Tag 1
Ich bin in Fiumicino losgefahren, direkt an der Tibermündung, wo der große Rom-Flughafen liegt. Die Küstenstraße nach Norden folgt der Via Aurelia, streckenweise mit Blick aufs Meer, streckenweise auf dem schmalen Zubringer neben der Autobahn. Nach Ladispoli und Cerveteri, wo die etruskische Nekropole Banditaccia liegt, wird die Landschaft flacher, rechts das Meer, links Ackerland und Pinienhaine. Nach 60 Kilometern zum Einrollen erreiche ich Civitavecchia, deren Geschichte auf die Etrusker zurückgeht.
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Civitavecchia - Trevinano, Tag 2
Von Civitavecchia geht es weg von der Küste ins Hinterland, die 100 Kilometer und 1200 Höhenmeter kündigen sich schon in den ersten Anstiegen hinter der Stadt an, wo die Straße durch die Tolfaberge ansteigt. Die Route führt durch die Tuscia, das nördliche Latium mit seinen Tuffsteinhügeln und etruskischen Spuren, vorbei an Ausläufern des Bolsenasees, bevor sie in mehreren Wellen weiter nach Norden steigt. Der Belag wechselt streckenweise, kleinere Provinzstraßen mit wenig Verkehr, aber auch mit Schlaglöchern, die Aufmerksamkeit verlangen. Nach den letzten Kilometern, einem Anstieg von rund 15 Kilometern durchs Waldgebiet des Monte Rufeno, erreiche ich Trevinano auf 619 Metern Höhe. Der Ort ist ein Ortsteil von Acquapendente, mit etwa 140 Einwohnern. Der Ort selbst ist von Anfang an auf einen Hügel gebaut, mit Blick über eine markante Felskante im Süden und Wald der Riserva Naturale Monte Rufeno im Osten.
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Trevinano - Sienna, Tag 3
Von Trevinano geht es über Chianciano Terme, Montepulciano, Trequanda und Asciano nach Siena. Chianciano Terme liegt zwischen dem Chianatal und dem Val d'Orcia, ein Thermalort, dessen heiße Quellen schon von Etruskern und Römern genutzt wurden. Von dort führt die Straße hinauf nach Montepulciano, eine Renaissance-Stadt auf einem Kalksteinrücken. Ab Montepulciano wird die Landschaft hügeliger in Richtung Trequanda. Danach beginnt der charakteristische Übergang in die Crete Senesi, die kahlen, wellenförmigen Tonhügel südöstlich von Siena, deren erosionsgeprägte Oberfläche kaum Bewuchs zulässt. Asciano liegt mitten in diesem Gebiet, ein Etappenort mit Zugang zur Abtei Monte Oliveto Maggiore einige Kilometer südlich. Von Asciano aus sind es noch rund 25 Kilometer über asphaltierte Nebenstrecken der Crete Senesi bis nach Siena, wo die Etappe an der Porta Romana endet.
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Sienna - Nievole, Tag 4
Von Siena aus verlässt man das Elsa-Chianti-Hügelland zunächst Richtung Norden über Castellina in Chianti, mitten im Weinbaugebiet des Chianti Classico, mit dem Rocca-Museum in der ehemaligen Festung als bekanntestem Punkt im Ort. Weiter über Tavarnelle Val di Pesa, einem Etappenort an der alten Via Cassia-Chiantigiana, dann nach Montespertoli, das für Chianti-Wein aus der Zone Colli Fiorentini bekannt ist. Ab hier wird die Landschaft flacher, die Straße fällt Richtung Arno-Tal ab und erreicht nach längerer Ebene Empoli, eine Industriestadt mit langer Tradition in Glasherstellung und Textilverarbeitung, direkt am Fluss gelegen. Von Empoli führt die Strecke nordwärts über die Ebene ins Valdinievole, benannt nach dem kleinen Fluss Nievole, der zwischen Montecatini und Monsummano verläuft. Monsummano Terme, das Etappenziel, liegt am Fuß eines erloschenen Vulkankegels, auf dem sich der historische Ortskern Monsummano Alto befindet. Bekannt ist der Ort für seine unterirdische Thermalgrotte, die Grotta Giusti, die 1849 beim Steinabbau zufällig entdeckt wurde und seither zu medizinischen Zwecken genutzt wird. Nach den welligen Hügeln des Chianti und der langen Ebene durchs Arno-Tal ist der letzte Abschnitt flach, mit guter Straßenqualität, aber wenig Schatten.
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Nievole - Castelvetro di Modena, Tag 5
Von Monsummano geht es über Pistoia und Capostrada auf die alte Via Porrettana, die SS64, die seit 1864 als erste Bahn- und Straßenverbindung den Apennin zwischen Toskana und Emilia-Romagna überquert. Der höchste Punkt liegt beim Passo della Collina auf 932 Metern. Auf der anderen Seite fällt die Straße durchs Reno-Tal ab, über Ponte della Venturina, wo die Grenze zwischen Toskana und Emilia-Romagna verläuft, weiter über Porretta Terme mit seinen schwefelhaltigen Thermalquellen, dann durch das enge Tal über Riola, Vergato und Marzabotto. Die Strecke folgt danach dem Reno weiter bis Casalecchio di Reno am Rand von Bologna, wo ich die Ebene erreiche und nach Westen auf die letzten, flachen Kilometer nach Castelvetro di Modena abbiege, mitten im Anbaugebiet des Lambrusco Grasparossa.
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Castelvetro di Modena - Parma, Tag 6
Von Castelvetro di Modena führt die Strecke zunächst hinauf ins Anbaugebiet des Lambrusco Grasparossa, dann weiter zur Via Giardini nach Maranello. Die Kleinstadt ist seit 1943 Sitz von Ferrari. Weiter geht es nach Westen über Sassuolo, das Zentrum der italienischen Keramikfliesenindustrie, nach Scandiano. Dort dominiert die Rocca dei Boiardo den Ortskern, eine im 12. Jahrhundert von der Familie Da Fogliano errichtete Burg, die ab 1423 der Familie Boiardo als Wohnsitz diente und in der der Dichter Matteo Maria Boiardo geboren wurde. Über Montecavolo und Montecchio Emilia, beide am Fuß des Apennin-Vorlands im Einflussgebiet der mittelalterlichen Markgräfin Mathilde von Canossa gelegen, führt die Strecke weiter Richtung Westen. Ab hier verläuft die Route weitgehend auf der Ebene der Via Emilia, parallel zur alten Römerstraße zwischen Rimini und Piacenza, mit direkter Verbindung nach Parma, das nach den letzten flachen Kilometern erreicht wird.
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Parma - Bergamo, Tag 7
Von Parma geht es nach Norden auf die Poebene, flach und geradlinig, über Cremona und weiter nach Bergamo. Cremona liegt direkt am Po und ist historisch für den Geigenbau bekannt: Amati, Guarneri und Stradivari hatten hier ihre Werkstätten, die Tradition lebt bis heute in zahlreichen Geigenbauateliers in der Altstadt weiter. Wahrzeichen ist der Torrazzo, mit rund 112 Metern einer der höchsten mittelalterlichen Backsteintürme Italiens, direkt neben dem romanischen Dom aus dem 12. Jahrhundert. Nach Cremona quert die Strecke den Po auf einer der wenigen Brücken in diesem Abschnitt, danach wird das Terrain welliger, die Poebene geht allmählich in die Ausläufer der Bergamasker Alpen über. Die letzten Kilometer vor Bergamo steigen spürbar an, die Città Alta liegt auf einem Hügel oberhalb der modernen Unterstadt, umgeben von einer venezianischen Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert, die 1961 zum UNESCO-Welterbe der venezianischen Verteidigungswerke gehört. Der Übergang von der flachen Poebene zu den ersten Alpenausläufern ist auf dieser Etappe der auffälligste Landschaftswechsel der ganzen Route bisher.
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Bergamo - St. Moritz, Tag 8
Von Bergamo führt die Strecke nach Norden über Lecco an die Südspitze des Comer Sees, wo Alessandro Manzoni seinen Roman "I promessi sposi" verfasste. Die Route folgt dem Ostufer des Sees Richtung Colico, vorbei an schmalen Uferstraßen mit Tunneln, bevor sie bei Chiavenna ins Bergell abbiegt. Kurz vor Chiavenna liegt Prosto di Piuro, ein kleiner Ortsteil, der an die Geschichte des benachbarten Piuro erinnert, das 1618 durch einen Bergrutsch fast vollständig verschüttet wurde. Ab Chiavenna beginnt der eigentliche Anstieg zum Malojapass, der einzige nennenswerte Pass dieser Etappe mit einer topografischen Besonderheit: Er hat nur eine Rampe. Auf italienischer Seite schlängelt sich die Straße in 25 engen Kehren steil den Steilabbruch hinauf, während sie auf der Schweizer Seite ab der Passhöhe auf 1815 Metern fast eben durchs Oberengadin weiterläuft, vorbei am Silsersee und Silvaplanersee. Der letzte Abschnitt bis St. Moritz ist entsprechend flach, mit Blick auf die Bergeller Alpen im Rücken.
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St. Moritz - Innsbruck, Tag 9
Von St. Moritz aus folgt die Strecke dem Inn ab seiner Quelle nahe der Malojapasshöhe zunächst durchs Oberengadin, vorbei an den Engadiner Seen über Samedan, La Punt und Zuoz mit seinen bemalten Patrizierhäusern, bis nach Zernez, dem Eingangstor zum Schweizerischen Nationalpark, dem ältesten Alpen-Nationalpark und mit 170 Quadratkilometern gleichzeitig UNESCO-Biosphärenreservat. Danach wird das Tal enger, die Route führt über Lavin und Guarda, ein Dorf mit sgraffitoverzierten Hausfassaden, hinunter bis Martina an der Grenze zu Österreich. Kurz dahinter liegt die ehemalige Grenz- und Zollstation Altfinstermünz, ein historischer Kontrollpunkt an einer Innschlucht, danach beginnt in Pfunds das Tiroler Oberinntal. Ab hier verläuft der Innradweg meist flach und nah am Fluss, über Ried und Prutz nach Landeck mit seinem Schloss, das einst den Zugang zum Arlberg- und Reschenpass kontrollierte. Weiter über Imst, bekannt für die Fasnacht, durch die Milser Auen und vorbei am Zisterzienserstift Stams mit seiner barocken Stiftskirche. Die letzten Kilometer führen an der Martinswand vorbei, einer markanten Felswand am Inn, bevor die Route im Talkessel von Innsbruck endet, mit Blick auf die Nordkette im Hintergrund.
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Innsbruck - München, Tag 10
Von Innsbruck führt die Strecke über Telfs und weiter über die alte Römerstraße nach Mittenwald. Der Ort liegt auf rund 920 Metern zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge, durchflossen von der jungen Isar, die hier erst wenige Kilometer von ihrer Quelle entfernt ist. Mittenwald wurde 1080 erstmals urkundlich erwähnt und war zwischen 1487 und 1679 Umschlagplatz für den Warenhandel zwischen Deutschland und Italien, nachdem venezianische Kaufleute ihre Märkte von Bozen hierher verlegt hatten, sichtbar noch heute an den bemalten Fassaden der Altstadt. Von Mittenwald geht es über Krün und die geschützten Buckelwiesen, eiszeitliche Grasbuckel-Formationen, nach Wallgau, dann über einen kurzen Sattel hinunter zum Walchensee. Der See liegt auf 802 Metern, ist bis zu 190 Meter tief und wird über einen künstlichen Kanal teilweise aus der abgeleiteten Isar gespeist, das Wasser treibt beim Ablauf zum tiefer gelegenen Kochelsee das Walchenseekraftwerk an. Über den Kesselberg, den steilsten Abschnitt der Etappe, geht es hinunter zum Kochelsee und weiter über Benediktbeuern und Wolfratshausen ins flache Isartal, dem die Strecke bis München folgt. Der Isar-Radweg ist auf diesem Abschnitt weitgehend eben und gut ausgebaut, mit nur einer nennenswerten Anhöhe nördlich von Bad Tölz, bevor die Route an der Isar entlang direkt bis ins Stadtzentrum von München führt.
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München - Kelheim, Tag 11
Von München führt der Isar-Radweg zunächst weiter nordwärts über Freising, wo auf einem Hügel der romanische Dom St. Maria und St. Korbinian steht, 1159 vollendet und mit zwei 56 Meter hohen Türmen. Weiter über Moosburg an der Isar verlässt die Route irgendwann das Isartal und quert die Hallertau, das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt, erkennbar an den endlosen Reihen der Hopfengärten mit ihren hohen Rankgerüsten. Über Abensberg, zwischen Donautal, Altmühltal und Hallertau gelegen, erreicht die Strecke schließlich Kelheim am Zusammenfluss von Donau und Altmühl. Die Stadt entstand aus einer keltischen Siedlung, kam im 11. Jahrhundert in den Besitz der Wittelsbacher und erhielt 1181 das Stadtrecht, bis 1231 war sie eine bevorzugte Residenz der bayerischen Herzöge. Über der Stadt, auf dem Michelsberg, steht die Befreiungshalle, ein 1842 bis 1863 von König Ludwig I. errichteter klassizistischer Rundbau zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon, mit 45 Metern Höhe und einer Aussichtsgalerie über dem Donau- und Altmühltal. Kelheim ist zugleich Ausgangspunkt der Weltenburger Enge, wo die Donau sich durch einen engen Felsdurchbruch zwängt, und markiert historisch den Beginn des ersten innereuropäischen Kanals, des heutigen Rhein-Main-Donau-Kanals.
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Kelheim - Weiden, Tag 12
Diese Etappe ist überwiegend Durchgangsland, das Labertal von Deuerling bis zum Naabtal ist landschaftlich unauffällig, kleine Dörfer, viel Ackerland, wenig Aufregendes für die ersten Kilometer. Der eine Lichtblick ist Kallmünz, am Zusammenfluss von Naab und Vils gelegen, mit einer Burgruine auf dem 433 Meter hohen Schlossberg, die auf keltische Wallanlagen zurückgeht und deren mittelalterliche Anlage im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen zerstört wurde. Der Ort war um 1900 Anziehungspunkt einer kleinen Künstlerkolonie, am bekanntesten der mehrwöchige Aufenthalt von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter im Sommer 1903, die sich hier verlobten. Eine spätmittelalterliche Steinbrücke von 1549 führt über die Naab, im Ortskern das sogenannte "Haus ohne Dach", eine noch bewohnte Höhlenwohnung im Felsen. Nach Kallmünz wird die Landschaft wieder eintönig, das Naabtal zieht sich nordwärts durch den Oberpfälzer Jura, bevor die Route bei Schwandorf endgültig den Fluss verlässt und über flaches, wenig strukturiertes Land nach Weiden weiterführt. Zwischen den beiden markanten Punkten der Etappe liegt viel unspektakuläre Landstraße, gut zum Kilometermachen, aber ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten.
Weiden - Gera, Tag 13
Letzte Etappe der Tour: Von Weiden führt die Strecke ostwärts ins Fichtelgebirge nach Marktredwitz, im Tal der Kössein zwischen den Höhenzügen von Kösseine und Steinwald gelegen. Der 50. Breitengrad verläuft mitten durch die Stadt, eine Bronzetafel an der Brücke markiert ihn. Weiter geht es über Röslau und Marktleuthen nordwärts, vorbei am östlichen Ausläufer des Fichtelgebirges, hinunter nach Hof. Die Stadt liegt in einer Saaleschleife, die die Altstadt fast wie eine Halbinsel umschließt, und war bis 1989 Endstation im Westen: Nach der Grenzöffnung kamen an einem einzigen Wochenende 330.000 Besucher aus der DDR nach Hof, um das Begrüßungsgeld abzuholen. Von Hof folgt die Strecke der Saale weiter nordwärts, bevor sie bei Schleiz endgültig ins ehemalige Grenzgebiet zu Thüringen wechselt, heute unauffälliges Hügelland ohne sichtbare Spuren der einstigen Teilung. Die letzten Kilometer führen ins Tal der Weißen Elster hinunter nach Gera, drittgrößte Stadt Thüringens und Geburtsort des Malers Otto Dix, dessen Geburtshaus in Untermhaus, direkt an der Elster, heute ein Museum ist. Damit endet die Tour von Rom bis Gera nach vierzehn Etappen quer durch Italien, die Schweiz, Österreich und Deutschland.

















































